Bio, regional, Swissness: Was die Labels auf Schweizer Lebensmitteln wirklich bedeuten

Im Supermarkt sieht vieles nach Schweizer Qualität aus. Kühe auf grünen Wiesen, Bergpanoramen, das Schweizerkreuz. Aber zwischen einem schönen Bild und einer echten Herkunftsgarantie liegt ein grosser Unterschied — und wer ihn nicht kennt, kauft manchmal etwas anderes, als er denkt.

Eine gute Übersicht zu regionalen Produkten, Labels und Direktkauf bietet das unabhängige Portal http://www.myfeld.ch/, das sich auf Schweizer Alltagsthemen spezialisiert hat.

«Regional» ist kein geschützter Begriff

Das überrascht viele. «Regional» klingt nach Kontrolle und Herkunftsgarantie — ist es aber nicht. Es gibt in der Schweiz keine landesweit einheitliche, gesetzliche Definition davon, was das Wort auf einer Verpackung bedeuten muss. Ein Hersteller kann es verwenden, wie er will.

Anders sieht es bei AOP und IGP aus. Diese Bezeichnungen sind gesetzlich geschützt und beim Bundesamt für Landwirtschaft eingetragen. AOP bedeutet: Rohstoff, Verarbeitung und Endprodukt stammen alle aus einer klar definierten Region. Gruyère AOP, Tête de Moine AOP, Walliser Roggenbrot AOP — das sind keine Marketingversprechen, sondern kontrollierte Angaben. IGP ist etwas lockerer: Mindestens ein Produktionsschritt findet in der Herkunftsregion statt.

Ein «Bergkäse» aus dem Aktionsregal ist kein Berner Alpkäse AOP. «Berg» ist ein beschreibendes Wort. AOP ist eine Bezeichnung mit Pflichtenheft.

Was Swissness seit 2017 bedeutet

Das Schweizerkreuz auf Lebensmitteln hat seit dem 1. Januar 2017 eine gesetzliche Grundlage im Markenschutzgesetz. Der Grundsatz: Wo Schweiz draufsteht, muss Schweiz drin sein. Bei verarbeiteten Lebensmitteln müssen mindestens 80 Prozent des Rohstoffgewichts aus der Schweiz stammen, und der wesentliche Verarbeitungsschritt muss hier stattfinden. Bei Milch und Milchprodukten liegt die Grenze bei 100 Prozent.

Ausnahmen gibt es für Rohstoffe, die in der Schweiz gar nicht produziert werden — Kakao, Kaffee, bestimmte Gewürze. Deshalb darf Schweizer Schokolade Schweizer Schokolade heissen, obwohl der Kakao aus dem Ausland kommt. Das ist kein Etikettenschwindel, sondern so vorgesehen.

Wer mehr will als das gesetzliche Minimum, achtet auf Suisse Garantie: Dieses Label verlangt bei verarbeiteten Produkten einen Schweizer Rohstoffanteil von mindestens 90 Prozent.

Bio heisst Produktionsweise, nicht Herkunft

Das ist ein häufiges Missverständnis. Die Knospe von Bio Suisse sagt etwas darüber, wie ein Produkt produziert wurde — strenge Richtlinien, keine Gentechnik, Flugtransporte verboten. Sie sagt nichts darüber, wo es herkommt. Ein Knospe-Produkt kann Rohstoffe aus dem Ausland enthalten, solange sie nach Bio-Richtlinien angebaut wurden.

Demeter geht noch einen Schritt weiter und verlangt biodynamische Landwirtschaft. IP-Suisse steht zwischen konventionell und Bio — integrierte Produktion mit ökologischen Auflagen, aber nicht Bio-zertifiziert.

Saison schlägt oft Region

Wer eine gute Klimabilanz will, kommt um die Frage der Saison nicht herum. Eine regionale Tomate aus dem fossil beheizten Wintergewächshaus kann in der Ökobilanz schlechter abschneiden als eine, die per Schiff aus Südeuropa eingeführt wird. Herkunft und Nachhaltigkeit sind nicht dasselbe. Bio, regional und saisonal zusammen — das ist die Kombination, die wirklich zählt.

Direkt beim Bauernhof einkaufen

Das geht einfacher, als viele denken. Über Plattformen wie «Vom Hof» des Schweizer Bauernverbandes sind über 3000 Betriebe gelistet. Bio Suisse betreibt mit Biomondo einen eigenen digitalen Marktplatz. Wer keine Zeit für den Ausflug hat, findet auch Abo-Kisten mit Saisongemüse oder Automaten mit Hofprodukten direkt an der Strasse.

Trotzdem: Direktvermarktung ist eine Nische. Rund drei Viertel der Bio- und Regionalprodukte laufen weiterhin über Coop und Migros. Auch dort finden sich AOP, IGP und Knospe — man muss nur wissen, worauf man schaut.